Merkblatt „Kinder und Jugendliche mit Asthma bronchiale im Schulsport“

1. Zum Krankheitsbild

Das Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung mit anfallsartiger oder andauernder Atemnot.
Hierbei kommt es zu einer Verkrampfung der Bronchialmuskulatur, einer Schleimhautschwellung und Verschleimung. Diese Faktoren führen zu einer erschwerten Ausatmung und Einatmung. Es kann zu einer unkontrollierten Atemfrequenzsteigerung kommen. Die Grundstörung beruht auf einer bronchialen Reizüberempfindlichkeit. Reize, wie kalte oder trockene Luft, Staub, Industrieabgase, Tabakrauch, körperliche Belastung (auch Lachen und Husten), unspezifische emotionale Reize, virale Infekte und inhalierte Allergene
können die typischen plötzlichen, heftigen und kurz andauernden Anfälle hochgradiger Atemnot auslösen.

Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Asthma bronchiale umfasst die medikamentöse Behandlung und die Anpassung der Lebensführung an die chronische Erkrankung mit dem Ziel, die körperlichen und sozialen Aktionsmöglichkeiten zu erweitern. Bewegung, Spiel und Sport können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.

 

2. Voraussetzungen für die Teilnahme am Schulsport

Kinder und Jugendliche, die an Asthma bronchiale erkrankt sind, sollten gerade hier im Rahmen der Möglichkeiten gefördert werden.

Notwendige Voraussetzung für die Teilnahme dieser Kinder und Jugendlichen mit Asthmabronchiale am Schulsport ist eine enge, vertrauensbildende Zusammenarbeit zwischen den Sportlehrkräften, den betroffenen Schülerinnen und Schülern, deren Eltern und den behandelnden Ärzten:

 

*           Die Schülerinnen und Schüler sollten vor der Teilnahme am Schulsport ein ärztliches Attest vorlegen, in dem Hinweise zur individuellen körperlichen Belastbarkeit dokumentiert sind. Genauere Informationen über die aktuelle Belastbarkeit sollten die Sportlehrkräfte in regelmäßigen Gesprächen mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern, deren Eltern oder den behandelnden Ärzten einholen.

*           Die Sportlehrkräfte sollten in der Lage sein, durch Überwachung des Spracheinsatzes (z. B. bei Sprech- oder Singspielen) oder durch kurze Kontrollgespräche Rückschlüsse auf das aktuelle Befinden dieser Kinder und Jugendlichen zu ziehen. Sie sollten darüber hinaus, auch bei akuten Anfallzuständen, die Handhabung des Dosier-Aerosols, atemerleichternde Körperstellungen (Aufstützen der Arme - Entlastung der Brustmuskulatur, therapeutische Stellungen zur Koordinierung der Atmung) und eine optimale Atemtechnik (langsame und tiefe Einatmung möglichst durch die Nase; Ausatmung gegen Lippenwiderstand, „Lippenbremse“) kennen.

*          Die Sportlehrkräfte sollten die Sofortmaßnahmen beim Asthmaanfall

            beherrschen (siehe Punkt 5.).

Die betroffenen Schülerinnen und Schüler sollten vor Beginn jeder Sportstunde ihr Dosier-Aerosol bei der Sportlehrkraft abgeben. Zur direkten Kontrolle der Ausatemleistungsfähigkeit sollten sie ihre eigene Peak-flow-Meter bereithalten.

 

3. Hinweise für die Teilnahme am Schulsport

Nehmen ein oder mehrere Asthmatiker am Schulsport teil, so ist es nicht notwendig, den Unterricht speziell an ihren Bedürfnissen auszurichten. Die Sportlehrkräfte müssen sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen der gezielten Beobachtung bedürfen. Asthmatikern muss generell gestattet werden, die Belastung zu unterbrechen, wenn sie es selbst für erforderlich halten. Bei akuten Infekten (z. B. auch bei Schnupfen) sollte von einer Teilnahme am Schulsport abgesehen werden.

 

3.1 Zur Belastung

Die Auswahl der Inhalte und die Intensität der Belastung im Schulsport sollte so erfolgen, dass ein Asthmaanfall vermieden wird. Hierzu ist Folgendes zu beachten:

Während der Aufwärmphase, die mindestens 10—15 Minuten andauern sollte, muss eine betont langsam ansteigende Aktivierung erfolgen. Dabei sollte eine intervallartige Belastungsgestaltung im Vordergrund stehen. Die Belastungen sollten nach dem Intervallprinzip zunächst im submaximalen Bereich und unter Einsatz gezielter Entspannungspausen so dosiert werden, dass die Pulsfrequenz maximal 160 Schläge/Minute erreicht. Da ein durch Überbelastung ausgelöster Asthmaanfall („Anstrengungsasthma“) meist ca. 110 Minuten nach der Belastung, z. B. auch nach Ende der Sportstunde auftritt, sollte auf ein entspannendes Ausklingen der Stunde geachtet werden.

 

3.2 Zur inhaltlichen Gestaltung

Psychophysische Regulationstechniken wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training u.a. sollten vor allem nach konzentrierter und anstrengender Belastung gezielt zur Entspannung eingesetzt werden.

Gymnastische Übungen sind besonders zu empfehlen, weil alle Dehnungen des Körpers einen unwillkürlichen Einatemimpuls auslösen. Durch Beweglichmachungs- und Dehnübungen sollen die Atemräume vergrößert und behindernde Fehlhaltungen durch ein gezieltes Training der Stützmuskulatur vermieden werden.

Ausdauerbelastungen im Freien, z.B. Wandern, Waldlaufen, Jogging, Eislaufen und Skilanglaufen, sollten nie allein und nie ohne Dosier-Aerosol erfolgen. Im Sinne der geforderten Intervallbelastung sollten besser 3 x 20 Minuten mit erholsamen Pausen gelaufen werden als 1 x 60 Minuten ohne Unterbrechung. Bei erhöhten Luftschadstoffwerten (z. B. Ozon) sollten Ausdauerbelastungen im Freien vermieden werden.

Beim Schwimmen sollte die Wassertemperatur ca. 22°C -26°C betragen. Wegen der Ausatmung in das Wasser ist vor allem das Brustschwimmen und wegen der Wirbelsäule entlastenden Technik das Rückenschwimmen zu empfehlen. Wegen der Gefahr der Pressatmung sollte auf jeden Fall auf Tauchübungen verzichtet werden.

Bei den großen Ballspielen genießt Volleyball eine bevorzugte Stellung, da hier Intervallbelastungen und notwendige Pausen schon durch die Regeln vorgegeben werden. Andere Ballspiele müssen so modifiziert werden, dass sie die Bewältigung einer gleichwertigen, aber in der Belastung leichter zu kontrollierenden Aufgabe ermöglichen. Im Fußball wäre das z.B. die Rolle des weitgehend von Defensivaufgaben befreiten Spielgestalters mit u. a. eingeschränkten Spielraum, im Basketball wie auch im Handball der Part des von der Aufgabe, „Schnellangriffe“ zu laufen, befreiten Spielers. Auch die Position des Torwartes erlaubt die aktive Teilnahme am Spiel. Die einseitige Festlegung auf bestimmte Spielpositionen sollte jedoch vermieden werden.

 

 

4. Spezielle Hinweise für die Teilnahme von allergischen Asthmatikern am

    Schulsport

 

Bei einer Hausstaubmilbenallergie sollte auf die Staubfreiheit von Hallenboden, Umkleidekabinen und Geräteräumen geachtet werden. Belüftungsanlagen sollten nach Möglichkeit abgestellt werden. Tobespiele, das Werfen von Turnmatten und die Arbeit mit Schwungtüchern sollten möglichst vermieden werden, um nicht unnötig Staub aufzuwirbeln. Der Sportunterricht im Freien ist ohne besondere Einschränkung möglich.

 

Bei einer Pollenallergie ist der Schulsport in der Halle in der Regel möglich, während für den Sport im Freien genaue Informationen über den Pollenflug wichtig sind. Für die langfristige Planung existieren Pollenflugkalender, zur aktuellen Pollenflugsituation sind Hinweise über die Tageszeitung, im lokalen Rundfunk, über das Pollentelefon und bei örtlichen Krankenhäusern zu erlangen.

 

5. Hinweise für die Vorgehensweise bei einem Asthmaanfall

Ruhe bewahren (Angst überträgt sich!) und die Schülerin oder den Schüler beruhigen.

Auf kontrollierten Einsatz des Dosier-Aerosols achten; dabei darf der Einsatz des Dosier-Aerosols nicht in kurzen Abständen wiederholt werden.

Auf eine atemerleichternde Körperhaltung achten (nicht flach hinlegen, die selbst gewünschte Haltung einnehmen lassen).

Auf die richtige Atemtechnik achten.

Die Schülerin oder den Schüler nie alleine lassen. Eltern benachrichtigen, Ärztin oder Arzt rufen.